Kollektive Jagd auf Internet-Piraten
17. Juni 2009 – 19:05 UhrVor allem in den USA tobt die verbale Schlacht gegen die Piraterie im Internet. Anbietern, die ihre Meldungen unbezahlt und ungefragt online stellen, wurde von Nachrichtenagenturen wie AP mit Krieg gedroht. Jetzt sind dahingehend auch deutsche Verlage aufgewacht. Mit einer Resolution sechs großer Verlagshäuser bringen sich diese in Stellung und wollen die Politik zu mehr Schutz für ihre Internet-Inhalte drängen.
Erst recht in Zeiten dramatisch nach unten gehender Werbeerlöse, stoßen diese Forderungen auf Zustimmung. Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte beispielsweise dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, dass ein Leistungsschutzrecht für Verlage gesetzlich fixiert werden müsse. „Ein Gesetz könnte schon nach der Bundestagswahl auf den Weg kommen, da die Signale aus der Politik sehr viel versprechend sind“, so Neumann.
Den Verlagen würde es erleichtert, beispielsweise gegen Unternehmen vorzugehen, die fremde Artikel bündeln und vermarkten, sowie dies das Leistungsschutzrecht in der Musikbranche vorsieht, das es dort bereits seit Jahrzehnten gibt. Zwar sind die Beiträge auch heute schon urheberrechtlich geschützt, beim Autor jedoch liegt das Recht am einzelnen Artikel. Dass man die Interessen tausender freier und fest angestellter Journalisten vertreten müsste, ist somit ein Ding der Unmöglichkeit. Der Verlag würde durch ein Leistungsschutzrecht das Recht am kompletten Werk erhalten, wie beispielsweise einer Zeitung. So könnte man gezielt auf Internet-Piraten-Jagd gehen.
„Man sollte eine kollektive Verwertung genau prüfen“, erklärte der Chef des Axel Springer Verlags, Mathias Döpfner. Die Idee einer Verwertungsgesellschaft der Verlage umreißt Döpfner mit dieser Aussage. Döpfner schwebt eine GEMA für Web-Artikel vor, die fällige Gebühren eintreibt, nachdem sie erfolgreich im Internet nach illegaler Nutzung gefahndet hat. Udo Branahl, Rechtsprofessor am Institut für Journalistik der TU Dortmund, sagt: „Es ist sicher sinnvoll, dass die Verlage die Rechte, die sie haben, in einer zentralen Stelle bündeln, damit so die Recherche nach Piraterie für sie erledigt werden kann.“
Quellen: Bloomberg, FTD















