Telekom kämpft um DSL-Kunden
8. August 2009 – 12:36 UhrEinen sinkenden Anteil im Geschäft mit schnellen Internet-Verbindungen erwartet die Deutsche Telekom. Telekom-Chef René Obermann erklärte bei der Präsentation der Ergebnisse für das zweite Quartal, dass es vor allem im dritten Quartal steigende Kündigungszahlen geben werde. Laut Telekom war der Marktanteil bei Neukunden zum Ende des Halbjahres noch auf rund 59% gestiegen. Obermann: „Da seit Mitte 2009 Verträge aus vermarkteten Komplettpaketen auslaufen, wird diese Entwicklung sicherlich so nicht weitergehen.“
Dass Konkurrenten wie Netcologne, Vodafone oder 1&1 versuchen werden diese Nutzer abzuwerben, erwarten Experten. Axel Freyberg, Telekom-Experte beim Beratungsunternehmen A.T. Kearny Deutschland, erklärt: „Die alternativen Anbieter werden dahingehend wohl mehr Druck ausüben.“
Da es immer weniger Neukunden gibt, wird der Kampf um Marktanteile härter. 2009 soll es lediglich 2 Millionen Neukunden geben, während es im Jahr 2007 nach Angaben der Telekom noch 4,6 Millionen gewesen seien. Für die Unternehmen ist es immens wichtig, Nutzer für schnelle DSL-Internetanschlüsse zu akquirieren. Denn ein großer Teil lukrativer Dienste wie beispielsweise das Internetfernsehen (IPTV) baut auf den Online-Zugang auf. Künftig soll das Geschäft der Telekom angesichts des eher schwachen ersten Halbjahres durch solche Zusatzangebote angekurbelt werden.
Mit einem Millionen-Etat für den Dienst „Liga total“ wirbt der Konzern derzeit beispielsweise. Nur in Verbindung mit dem IPTV-Service T-Home Entertain, kann das Angebot für monatlich 15 € genutzt werden. Für beides zusammen müssen Kunden 60 € hinblättern. Zum Vergleich: für knapp 20 € ist ein schneller Webanschluss zu haben. Rund 721.000 Entertain-Pakete hat die Telekom momentan veräußern können.
Bislang noch nicht deutlich wirkt sich das IPTV-Geschäft auf den Konzernumsatz aus. Vor allem aus der Beteiligung an OTE in Griechenland stammt der Umsatzanstieg im zweiten Quartal, der im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 16,24 Milliarden € (plus 7,4%) nach oben ging. Bei 1,5 Milliarden € lag OTEs Erlös im abgelaufenen Quartal. Auf 746 Millionen € stieg der bereinigte Konzernüberschuss, dies bedeutete ein Plus von knapp 20%.
Der Verkauf der Telecom-Italia-Tochter Hansenet dürfte für zusätzliche Bewegung im DSL-Markt sorgen. Laut Medieninformationen kommt der Verkaufsprozess aber nur langsam in Gang. Noch im Rennen ist lediglich die spanische Mutter des Mobilfunkanbieters O2, Telefónica. Dabei wird um den Preis gestritten. Ihre deutsche Tochter für weniger als 1 Milliarde € zu verkaufen, damit tun sich die Italiener schwer. Es hieß, dass die Vorstellungen zuletzt um rund 300 Millionen € differierten. „Mit einer endgültigen Entscheidung über den Verkauf von Hansenet, rechne ich ab September“, so Telecom-Italia-Chef Franco Bernabe.
Zu spüren bekommen die Auswirkungen der Telekom-„Liga total“-Kampagne vor allem die kleineren Anbieter. Die Telecom-Italia-Tochter gab vor kurzem bekannt, dass die Zahl der DSL-Kunden von Hansenet seit Mitte 2008 auf 2,29 Millionen (minus 3%) gesunken seien. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum schrumpfte der Halbjahresumsatz um 5% (569 Millionen €). Hansenet-Chef Paolo Ferrari: „Wir konzentrieren uns nun auf ausgewählte Kundengruppen.“
Ausschließlich bei den 2007 von AOL übernommenen Breitband-Kundenverträgen, mussten die Hamburger das Minus verzeichnen. Um Telekom-Anschlüsse, die früher unter dem Markennamen von AOL vertrieben wurden, handelt es sich dabei. Hansenet konnte hingegen die Zahl eigener Komplettanschlüsse nach oben schrauben, da diese sich seit Mitte 2008 auf 1,87 Millionen (plus 8%) erhöhten.
Quelle: FTD















