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Infineon denkt an Dividende

28. Dezember 2009 – 12:30 Uhr

Die Aktionäre des Chipherstellers Infineon dürfen nach der schwierigen Rückkehr in die Gewinnzone erstmals seit 10 Jahren wieder auf eine Dividende hoffen. Finanzchef Marco Schröter erklärt: „Ich kann mir für das seit Oktober laufende Geschäftsjahr 2009/2010 durchaus eine Ausschüttung vorstellen.“ Beschlossen werden müsste diese dann auf der Hauptversammlung Anfang des Jahres 2001.

Auf dem Weg zur Normalität wäre dies für den chronisch klammen Chiphersteller aus München ein weiterer Meilenstein. Dividende konnte der DAX-Konzern außer für das Jahr 2000 (Börsengang) noch niemals zahlen. Dass Infineon keinen gewinnorientiertes Unternehmen sei, darüber beklagten sich bereits mehrfach die Aktionäre. Der Tiefpunkt wurde durch den Rauswurf aus dem Aktienindex DAX und durch die Pleite der Speicherchip-Tochter Qimonda, die einen bis auf 0,35 € abgestürzten Aktienkurs zur Folge hatte, deutlich markiert.

Das Comeback in den Leitindex konnte Infineon jedoch wieder nach geglückter Kapitalerhöhung und Refinanzierung im September 2009 feiern. Der Vorstand unterstrich, dass man jetzt das Schlimmste hinter sich habe. Peter Bauer, Vorstandschef von Infineon, erläuterte: „Dass wir erstmals in unserer Historie nachhaltig über die Zyklen unseres Marktes hinweg Geld verdienen möchten, ist unser Ziel. Dafür müssen wir aber weitere Anstrengungen ins Leben rufen. Einen Marathon können wir aber morgen noch nicht bestreiten, obwohl wir unsere Grippe recht gut überstanden haben.“

Der Vorstand prognostiziert für 2009/2010 nach dem konjunkturbedingten Einbruch des Umsatzes um 22% im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Plus in Höhe von mindestens 10%. Zum ersten Mal seit Jahren möchte Infineon unter dem Strich wieder Gewinn machen und strebt eine operative Ergebnismarge von etwa 5% an. Dass aus dem gerade vollzogenen Verkauf der Chips für drahtgebundene Kommunikation (WLC) ein Buchgewinn von einer 110 bis 120 Millionen € ins Haus steht, dürfte dabei sehr hilfreich sein.

Damit die Dividende gezahlt werden können, muss Infineon aber selbst bei einem Nettogewinn 2009/2010 einen Bilanztrick anwenden. Infineon will so den Verlustvortrag aus den letzten Jahren von 6 Milliarden € mit der Kapitalrücklage verrechnen, damit der dafür nötige Bilanzgewinn ausgewiesen werden kann. Da die Kapitalerhöhung im Sommer nach Abzug von Kosten 680 € in die klammen Konzernkassen gespült hatte, kann man sich dies erlauben.

Vom eigenen Sparkurs und der weltweiten Nachfrage nach Chips konnte Infineon von Juli bis September 2009 bereits vor der Belebung profitieren. Ein Quartalsgewinn konnte zum ersten Mal seit fast drei Jahren wieder eingefahren werden. Dafür gibt es jedoch keine Dividende, da dem Quartalsgewinn von 14 € nochmal 671 Millionen € Nettoverlust aus dem Gesamtjahr 2008/2009 gegenüberstehen.

Die stark gestiegene Chipnachfrage der Autohersteller spielte dem Unternehmen in letzter Zeit in die Karten. Infineon hatte teilweise sogar Lieferschwierigkeiten, da durch den enormen Erfolg der Abwrackprämie die Produktion sehr schnell hochgefahren wurde. Produktionsvorstand Reinhard Ploss verriet: „Voll ausgelastet sind die Werke in Dresden, Regensburg und Villach. Hier haben wir im Hinblick auf die Autochips zum amerikanischen Weltmarktführer Freescale aufgeschlossen.“ Dass es zu einem erneuten Einbruch der Autonachfrage kommen könnte, wird auf der anderen Seite jedoch befürchtet, wenn die wirtschaftlichen Impulse der Abwrackprämie im zweiten Halbjahr 2010 abebben.

Quelle: FTD