IT-Branche wieder in Höchstform
8. Oktober 2009 – 15:03 UhrImmer mehr nimmt die Übernahme- und Fusionswelle im IT-Bereich an Fahrt auf. Zuhauf sehen sich die IT-Unternehmen nach lohnenden Gelegenheiten um. Dass die Flaute zu Ende ist, zeigen einige große Zukäufe in den letzten Quartalen. Google-Boss Eric Schmidt erklärt, dass man wieder auf Akquisitions-Tour sei und man den gewohnten Weg, kleine Unternehmen zu kaufen, weitergehe. Der Chef von Emerson Electric, David Farr, hingegen erläutert: „Wir befinden uns nach wie vor auf der Jagd nach Zukäufen.“ Erworben hat der Technologiekonzern gerade den IT-Dienstleister Avocent für 1,2 Milliarden $. „Auch wir werden uns um Zukäufe bemühen“, so Yahoo-Chefin Carol Bartz.
Sascha Pfeiffer, Geschäftsführer bei der Investmentbank Close Brothers, bestätigt den Trend und sagt: „Jetzt werden wir 12 aktive Monate vor uns haben.“ Und Brian Marshall, Experte der Analysefirma Broadpoint Amtech, ergänzt: „Das Goldene Zeitalter der Technologiezukäufe beginnt gerade.“
Deutlich zurückgehalten hatten sich die traditionell übernahmewilligen IT-Unternehmen in den vergangenen Monaten, was der Wirtschafts- beziehungsweise Finanzkrise geschuldet war. Michael Drill, Deutschland-Chef bei der Investmentbank Lincoln International, gibt zu verstehen, dass auch die IT-Branche gegen die Wirtschaftskrise und die damit verbundenen Auftragsrückgänge nicht immun gewesen sei. Dies habe sich ganz klar in einer geringen Risikobereitschaft in Bezug auf Übernahmen dargelegt. „Viele Unternehmen haben sich mit Zukäufen zurückgehalten, da in der Wirtschaftskrise Bargeld das wichtigste war“, lässt der Branchenexperte für IT an der WHU Otto Beisheim School of Management, Peter Kreutter, verlauten.
Dies soll sich nun ändern, da sich die IT-Unternehmen in einer komfortablen Situation befinden. Denn viele Firmen besitzen kurzfristig verfügbare Mittel beziehungsweise hohe Barreserven. Da sie in der Krise Stellen abgebaut und gespart haben, arbeiten sie trotz Absatzschwäche oftmals profitabel. Dies garantiert ihnen einen finanziellen Spielraum.
Außerdem sind Zukäufe dringend vonnöten. „Die Nachfrage nach IT-Produkten ist nämlich immer noch niedrig“, gibt Pfeiffer zu bedenken. „Dennoch erwarten die Kapitalmärkte von der Branche nachhaltiges Umsatzwachstum. Deshalb ist es unabdingbar, dass die Unternehmen Umsatz zukaufen.“
Durch eine Anzahl von Übernahmen in den vergangenen Monaten wird dies untermauert. Für 2 Milliarden € kündigte Cisco in der letzten Woche den Erwerb des norwegischen Videokonferenzsystemanbieters Tandberg an. Die Norweger erwirtschafteten im Jahr 2008 rund 800 Millionen € Umsatz. Für 6,4 Milliarden $ will hingegen Xerox den IT-Outsourcer ACS schlucken. Damit möchte Xerox den Umsatz der Servicesparte auf 10 Milliarden $ verdreifachen. Gleichzeitig zog sich Dell für 3,9 Milliarden $ den IT-Dienstleister Perot Systems an Land und nimmt dabei rund 2,8 Milliarden $ Umsatz mit.
Außerdem gesellen sich noch eher strategische Zukäufe hinzu. So wie beispielsweise die Übernahme des Spezial Anbieters Data Domain durch den Speicherkonzern EMC oder der Zukauf der Webanalysefirma Omniture durch den Softwarekonzern Adobe (rund 1,7 Milliarden $).
Der Tandberg-Konkurrent Polycom, der Spezialist Teradata, Atos Origin, Capgemini sowie Computer Sciences Corporation (CSC) gehören als IT-Dienstleister zu möglichen Übernahmezielen. Bereits selbst auf den Markt gebracht hat sich Gerüchten zufolge schon der US-Netzwerkspezialist Broacle. Somit zeigt sich die IT-Branche wieder in Höchstform.
Quelle: FTD















