Siemens und Nokia wollen Joint Venture beenden
23. November 2009 – 12:21 UhrSiemens Finanzchef Joe Kaeser macht keinen Hehl daraus, dass man definitiv große Herausforderungen zu meistern habe. Die größte der Herausforderungen heißt dabei Nokia Siemens Networks (NSN). Die NSN-Probleme möchte Kaeser jetzt aktiv bekämpfen. Ein Verkauf der Sparte wird angedacht, wenn sich denn jemand dafür interessieren würde.
Bis 2013 läuft der Kontrakt für das Joint Venture. Ein Insider erklärt: „Siemens will schon lange das Thema beenden und Nokia möchte jetzt auch raus.“ Dass sich Nokia und Siemens in den vergangenen Monaten in der Finanzinvestorenbranche umgehört hätten, verrät eine weitere mit der Situation vertraute Person. In NSN-Managementkreisen wird gemunkelt, dass zumindest ein Rückzug von Siemens nicht überraschend käme. Den Ausstieg empfehlen auch Analysten.So sagt Andreas Willi von JP Morgan: „Um ihren Anteil an Nokia Siemens Networks zu verkaufen, sollte Siemens die erste gute Gelegenheit nutzen.“
Doch deutlich verringert hat sich mittlerweile die Attraktivität des Netzwerk-Ausrüsters. In jedem Quartal musste das 2007 gegründete Joint Venture zwischen Nokia und Siemens ein operatives Minus schlucken. Außerdem fällt auch der Umsatz stetig in den Keller. In Finanzkreisen wird orakelt, dass es im Moment nicht vorstellbar scheint, einen interessierten Finanzkäufer für NSN aufzutun.
Auch den Eltern des Joint Ventures wird durch NSN inzwischen die Bilanz kaputt gemacht. Erstmals zog im Oktober eine Abschreibung von rund 900 Millionen € auf NSN Nokias Konzernbilanz ins Minus. Eine kräftige Abschreibung stehe auch Siemens bevor, so Analysten.
Dabei kommt die Talfahrt NSNs für Nokia zur absoluten Unzeit. Schließlich hat der weltgrößte Handyhersteller momentan genügend andere Probleme am Hals. Beispielsweise hecheln die Finnen seit Monaten im Hinblick auf Multimediahandys hinterher, was ihre eigenen Ansprüche betrifft. Nicht vorwärts kommt zudem der mit Milliardeninvestitionen gepushte Strategiewechsel hin zu einem Inhalte-Anbieter bezüglich der Webplattform Ovi. Reagiert hat darauf Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo mit einem der größten Umbauten der vergangenen Jahre. Seit Sommer wird die Nokia-Führung der neuen Ausrichtung angepasst. Die Gründung der Sparte zu Lucent kündigte er im Herbst an. Drei Einheiten bekommt zudem die Gerätesparte Devices. Seit November leitet die Sparte Mobile Phones der ehemalige Finanzchef Richard Simonson. Nokia bündelt in dieser Sparte das Geschäft mit den preiswerteren Mobilfunktelefonen.
Einen neuen Chef hat seit Anfang Oktober der Netzwerkausrüster NSN in persona Rajeev Suri. Dass die Serie der Quartals-Verluste beendet werden, steht auf Suris To-Do-Liste an der Spitze. Schließlich wird sich in den kommenden Wochen kaum ein Käufer finden lassen, wenn man dies nicht ändert.
Für wenig wahrscheinlich halten hingegen Analysten eine baldige Trendwende beim Netzwerkausrüster. Phil Kendall, Experte beim Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics erläutert: „Führend ist der Konzern weder bei Preisen noch bei der Technologie.“
Ein Dilemma für NSN, schließlich bekommen bei Aufträgen in Regionen, wo es um jeden Cent geht (beispielsweise in Afrika), vor allem chinesische Anbieter wie ZTE oder Huawei den Zuschlag. Zudem hat der schwedische Marktführer Ericsson im Hinblick auf technisch komplexe Aufträge in entwickelten Märkten meistens die Nase vorn.
Quelle: FTD















