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Vivendi im Poker mit NBC

21. Dezember 2009 – 12:29 Uhr

Auf die Spitze treibt Vivendi den Poker um den besten Erlös für seinen Anteil am Fernseh- und Kinokonzern NBC Universal. Vivendis Finanzchef Philippe Marone erklärte, dass die Lage sehr komplex, man aber auch sehr nahe an einer Entscheidung sei. 20% hält der französische Medienkonzern an NBC Universal. Dass man die weit fortgeschrittenen Verkaufsverhandlungen zwischen dem Kabelnetz-Betreiber Comcast und dem NBC-Mutterunternehmen General Electric (GE) platzen lassen kann, in solch einer Position befinden sich die Franzosen. Auf einen Erlösaufschlag spekuliert Vivendi deshalb augenscheinlich.

Wenn Comcast NBC übernehmen würde, wäre das in den Vereinigten Staaten der größte Mediendeal seit Jahren, der ein Volumen von rund 30 Milliarden $ hätte. Falls die gemeinsame Bewertung von NBC durch General Electric und Comcast zu Grunde gelegt würde, wäre Vivendis Anteil rund 6 Milliarden $ wert. Capron ergänzt: „Es gibt noch keine endgültige Entscheidung darüber, ob wir unseren Anteil verkaufen wollen.“ Der Vivendi-Manager weiter: „Wir behalten uns vor, immer noch Nein zu sagen.“ Innerhalb der nächsten drei Wochen möchte man bei Vivendi zu einer Entscheidung kommen. Jedes Jahr zwischen dem 15. November und 10. Dezember kann das französische Unternehmen eine vertraglich festgelegte Option zum Ausstieg ziehen.

Nutzen möchte man den möglichen Geldregen für die Expansion des Unternehmens in Schwellenländer, erklärt Finanzchef Capron. Hervorgegangen war NBC Universal erst im Jahr 2004 nach einer Fusion von den damals zu Vivendi gehörenden Universal-Kabelsendern und -Filmstudios sowie NBC.

An dem Deal zwischen Comcast und General Electric hat Medien-Unternehmer John Malone trotz der französischen Manöver keinerlei Zweifel. Malone warnte jedoch: „Das neu entstehende Unternehmen wird sehr viel Marktmacht besitzen. Insofern werden Wettbewerber eventuell gezwungen sein, selbst nach Übernahmekandidaten Ausschau zu halten.“

Malone, welcher der Kopf des Medienkonzerns Liberty ist, ging leer aus, als er selber Interesse an NBC gezeigt hatte. „Was die Regulierungsbehörden zu der Fusion von Comcasts TV-Geschäft und Vivendi mitteilen werden, wird eine sehr interessante Sache“, so Malone.

51% der Anteile des neuen Konzerns soll das Kabelunternehmen Comcast erhalten. General Electric soll sich schrittweise zurückziehen, wird aber zunächst mit 49% der Anteile ausgestattet. Ein Medienriese würde durch den Aufbau eines gemeinsamen integrierten Medienkonzerns unter der Führung von Comcast entstehen. Dieser würde dann sowohl Produktionsfirmen, Internetplattformen, ein Netz an TV-Sendern und Kabelnetze besitzen.

Im Kabelgeschäft der Vereinigten Staaten ist Comcast momentan mit 24 Millionen Abonnenten Marktführer. Dennoch drängt man in das Business mit Inhalten. Dem Internet, das als konkurrierender Übertragungsweg für Video und Fernsehen im Comcast-Revier wildert, ist dieser Umstand geschuldet.

Quelle: FTD