Windows 7 muss erfolgreich sein
22. Oktober 2009 – 16:38 UhrDurch Europa reist Steve Ballmer seit Anfang Oktober. Seine Stationen dabei sind unter anderem Mailand, Paris, München und London. Schließlich muss der Microsoft-Chef das neue Betriebssystem Windows 7 promoten. Auf dem Programm stehen dabei nicht nur Pressekonferenzen und Vorträge. Ballmer steht zum Beispiel den Lesern der Bild-Zeitung Rede und Antwort und ist zudem in Deutschland Teil eines Internet-Live-Blogs. Ballmer sagt, dass sich Windows 7 leichter sowie reaktionsschneller anfühle und zudem weniger Leistung benötige.
Da die Einführung des Windows-Vorgängers Vista vor knapp drei Jahren einem Debakel glich, ist das neue Betriebssystem das wohl wichtigste Produkt des IT-Giganten – Microsoft ist dringend auf Erfolg angewiesen. Bei Windows Vista wurden nämlich inkompatible Software und Geräte, Ressourcenverbrauch sowie Kompatibilität moniert. Deshalb ignorieren viele Kunden dieses Betriebssystem. Und da Google ein neues PC-Betriebssystem entwickelt, Lieblingsgegner Apple an Marktanteilen gewinnt und der Erfolg des mobilen Internets die Bedeutung eines Betriebssystems langsam ins Hintertreffen geraten lässt, ist die Konkurrenz inzwischen größer denn je.
Um gute Stimmung bemüht sich Microsoft diesmal viel früher als damals, denn es muss alles anders und vor allem besser werden. Erste Meinungen sammelt der weltgrößte Softwarekonzern bereits jetzt bei primären Test-Versionen, die Experten und Partner ausprobieren. Auf dem Laufenden werden die Benutzer ferner vom Windows-Entwicklungsteam via Internetblog gehalten. Und dies durchaus erfolgreich, schließlich gibt es auf die neue Software eine positive Resonanz, obwohl Windows 7 dem Vernehmen nach kein großer Wurf ist. Gelobt wird die bessere Bedienung und die gute Geschwindigkeit, wobei Windows 7 oft gar nicht viel fixer ist als die Vorgänger.
Bereits im Juni sagte Bill Veghte, der zu jener Zeit als einer von drei Windows-Bossen für das Marketing verantwortlich war, dass Steve Ballmer und er bereits vor drei Jahren beschlossen hätten, verstärkt den Dialog mit den Endkunden zu suchen. „Dass Microsoft eine emotionale Brücke zu den Anwendern bauen muss, ist mir schon damals klar geworden“, so Veghte. „Dabei soll Windows 7 von Beginn an Begeisterung bei den Nutzern hervorrufen.“ Bei Vista klappte das nicht, da das Produkt harsche Kritik auf den Plan rief, was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet war, dass es verspätet auf den Markt kam.
Rückmeldungen werden diesmal von Microsoft zeitig ausgewertet. 2.600 Kunden sind Teil einer ausführlichen Studie, während 16.000 Online-Interviews geführt werden. Analysiert werden insgesamt 40.000 Stunden Windows-7-Nutzung. Auch der Kontakt zu Meinungs-Machern ist dem Konzern wichtig. IDC-Analyst Rüdiger Spies beispielsweise stellt fest, dass sich Microsoft seit Beginn des Jahres aktiv in Online-Foren und Blogs tummele. „Bei Vista vor drei Jahren sind Analysten nicht so gut informiert worden wie jetzt.“ Da auch Fachmedien bislang ein positives Urteil aussprechen und Kritiker wie David Pogue von den „New York Times“ ebenso voll des Lobes sind, wie „Walt Street Journal“-Redakteur Walt Mossberg (großer Apple-Anhänger), kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Rechnung bis jetzt wohl aufgeht.
Ballmer ist zuversichtlich und erklärt: „Gut war die Resonanz der Testnutzer auf Windows 7 bis jetzt auf jeden Fall. Ich bin optimistisch, dass das Betriebssystem sehr gut ankommt, aber schließlich geht erst Probieren über Studieren.“
Quelle: AP, Bloomberg, FTD















