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Google will Verleger und Autoren besänftigen, SAP hält Mehrheit an SAF

1. September 2009 – 10:27 Uhr

Besänftigen will der US-Internetkonzern Google Europas Autoren und Verlage mit Zugeständnissen im Hinblick auf den Streit um sein Buchprojekt. Google hat in einem Brief an 16 europäische Verlage offeriert, bei der Umsetzung des Digitalisierungsprojektes Europa ein Mitspracherecht einzuräumen.

Eine Einigung, die den Weg für die Digitalisierung von Millionen Büchern freimacht, hat Google in den USA mit Verlagen und Autoren erzielt. Dass ihre Belange nicht angemessen berücksichtigt worden seien, monieren allerdings europäische Autoren und Verlage. Die Kritik kommt trotz des Umstandes, dass sich die Einigung explizit auch auf europäische Bücher bezieht, die in US-Bibliotheken lagern.

Google offeriert in dem Schreiben den Europäern, dass zwei nicht-amerikanische Vertreter in das Führungsgremium der Registrierungsstelle aufgenommen werden, die sich mit den europäischen Autoren und Verlagen beraten, bevor man europäische Bücher in die digitale Bibliothek integriert. Auf die Vorwürfe, dass die US-Einigung in anderen Ländern gegen Urheberrechte verstößt, gehen die Zugeständnisse von Google allerdings nicht ein. Beispielsweise erhebt die deutsche Bundesregierung diesen Vorwurf. Dass jegliche Art von Vereinbarung das internationale Urheberrecht unwiderruflich verändern werde, ließ die Bundesregierung vergangene Woche in Berlin verlauten.

Widerstand regt sich auch in Frankreich. „Wir bezeichnen es als entscheidend, dass wir uns gegen Versuche widersetzen, dass bei kulturellen Werken eine dominante Position oder ein quasi Monopol erlangt wird“, hieß es beispielsweise aus dem Verlag Hachette Livre. Google wurde von US-Autoren und -Verlagen auf 125 Millionen $ verklagt und damit gezwungen, dass man auf deren Belange eingeht. Dass eine Registrierungsstelle gegründet wird, die so genannte Books Right Registry, sieht der im vergangenen Oktober vereinbarte Vergleich, das „Book Settlement“, vor. Google möchte in das achtköpfige Führungsgremium von Books Right Registry nun auch zwei Ausländer aufnehmen.

Über eine Reaktion auf das „Book Settlement“ berät auch die EU-Kommission. Ob für eine Digitalisierung europäischer Kulturwerke neue Gesetze vonnöten sind, will sie dabei eruieren. Weil die Einigung für Internetbenutzer in einigen EU-Ländern keinen Zugang zu den Digital-Büchern vorsieht, stößt sie dort auch auf Kritik. Ob die Einigung die Interessen aller Betroffenen Autoren und Verlage angemessen berücksichtigt und wie gerecht die Einigung ist, darüber soll ein US-Gericht am 7. Oktober urteilen. Bis 8. September können noch alle Parteien dem Gericht dahingehend ihre Argumente vorlegen.

Während Google mit Autoren und Verlegern kämpft, hat sich der Softwarehersteller SAP im Zuge seines Übernahmeangebots an die Aktionäre seines Schweizer Konkurrenten SAF eine Mehrheit der Aktien gesichert. Das Unternehmen teilte mit, dass SAP bis zum Ablauf der ersten Annahmefrist am 28. August 3,17 Millionen SF Aktien angedient worden seien. SAP halte zusammen mit eigenen Aktienkäufen nun 3,5 Millionen SAF-Papiere. Dies entspreche einem Anteil von rund 63,2% der Stimmrechte an SAF.

Ein SAP-Sprecher erklärt: „Die Mindestannahmeschwelle von 50% zuzüglich einer Aktie ist damit überschritten. Noch bis zum 18. September können die SAF-Aktionäre ihre Anteilscheine in einer weiteren Andienungsfrist an SAP weiterreichen.“

Wie SAP ist auch SAF auf Unternehmens-Software spezialisiert. Ausbauen will SAP sein Angebot für Software in den beiden Branchen Einzel- und Großhandel mit dieser Übernahme. Das Kartellamt hat für die Übernahme bereits grünes Licht gegeben.

Quellen: Reuters, FTD