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Telekom baut Konzern um

30. November 2009 – 16:42 Uhr

Übersprungen hat die Deutsche Telekom die formale Hürde für einen radikalen Umbau im Hinblick auf das Deutschland-Geschäft. Für die Fusion des Festnetz- und Mobilfunkgeschäfts in eine deutsche Gesellschaft votierten die Aktionäre des DAX-Konzerns. 99,95% des vertretenen Aktienkapitals stimmten dabei für den Konzernumbau.

Damit Internetfernsehen (IPTV), Internetzugang, Festnetztelefon und Mobilfunk in einem Paket offeriert werden können, schaffte die Telekom so die Voraussetzungen als einer der letzten großen Konzerne der Branche. Für Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Telefónica oder Vodafone bieten solche Pakete Wachstumschancen bezüglich des harten Wettbewerbs und scharfen Preiskampfes. Der DSL-Anbieter Hansenet wird gerade von Telefónica übernommen, das bislang nur mit dem Mobilfunkanbieter O2 in Deutschland aktiv war. Bündel-Angebote offerieren kann Vodafone bereits durch das ehemalige Unternehmen Arcor.

Für das Management ist die Stabilisierung des Deutschland-Geschäfts die Hauptaufgabe. Schließlich stellt sich diese Sparte als einer der wichtigsten Wachstumstreiber dar. Problematisch waren vor allem in der Vergangenheit der harte Preiskampf bei DSL-Internetzugängen sowie der hohe Verlust bei Festnetzanschlüssen.

Konzernchef René Obermann beschreibt den Umbau so: „Wir erschließen Potenzial für zusätzlichen Umsatz und stärken so den Kundenservice und sichern Arbeitsplätze.“ Ein Umsatzplus von 1,3 Milliarden € erwartet die Telekom mittelfristig. Jährlich soll das Ergebnis um 600 Millionen € nach oben geschraubt werden. „Diese Ziele wollen wir bis Mitte 2015 erreichen“, erklärt Finanzchef Timotheus Höttges. Im Januar 2010 soll der Umbau beginnen. Für das erste Halbjahr 2010 ist die Eintragung der neuen Telekom Deutschland GmbH ins Handelsregister ins Auge gefasst worden.

Ergeben soll sich das deutliche Umsatzplus vor allem aus der besseren Vermarktung von Produkten bei Bestandskunden. Aktiv herantreten durften beispielsweise bisher T-Mobile-Mitarbeiter nicht an Telekom-Kunden. Produkte beider Sparten nutzen nach Telekom-Angaben deshalb nur 42% der Telekom- beziehungsweise T-Mobile-Kunden. Ein Umsatzplus im dreistelligen Millionenbereich könnte laut Unternehmensangaben durch eine Steigerung um einen Prozentpunkt erreicht werden.

Frank Rothauge, Analyst bei der Bank Sal. Oppenheim ist gespannt: „Was die Telekom nach der Fusion an Tarifen anbieten wird, kann spannend werden. Da muss die Telekom ihren Kunden etwas attraktives offerieren. Schließlich muss derjenige Preisvorteile erhalten, der Bündel-Angebote erwirbt. Aufgefressen wird daher ein Teil des möglichen Umsatzzuwachses infolge der Rabatte. Um neue Angebote vorzustellen, wird die Telekom auch die Technologiemesse CeBIT im kommenden Frühjahr nutzen.“

Unter der Führung von Nick Jan van Damme ist dafür die neue Deutschland-Gesellschaft zuständig. Hier kümmern sich 80.000 Mitarbeiter um 39 Millionen Mobilfunk- und 27 Millionen Festnetzkunden. Einführen will der Konzern für das Deutschland-Geschäft jedoch keine neue Marke. Obermann hofft, dass das „T“ als übergeordnetes Markenzeichen an Bedeutung gewinnen werde.

Als überfällig charakterisierten Aktionärsvertreter den Schritt. Vor allem die Entwicklung des Aktienkurses wurde von ihnen in der Hauptversammlung moniert. Ein Aktionär fragte den Vorstand: „Können Sie die Aktie aus dem Tal der Tränen holen?“ Schließlich verlor das Telekom-Papier in den letzten fünf Jahren 40% ihres Wertes. Erwirtschaftet hat der Konzern auf Grundlage der Zahlen für die ersten drei Quartale des Jahres 2009 einen Umsatz von 19,1 Milliarden €. Bei 7,2 Milliarden € lag hingegen das bereinigte Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern.